Über die Verantwortung von Sprache – Wer wird durch meine Worte angesprochen, wer ausgeschlossen und wer wird diskriminiert? Dieses Buch hat mir mit voller Klarheit gezeigt, dass es nicht egal ist, wie und was gesprochen wird. Sprache ist mächtig. Sie verändert unsere Wahrnehmung. Genau deshalb ist es auch wichtig, sich dessen bewusst zu sein und behutsam und überlegt mit ihr umzugehen.

In unserem Grundgesetz steht Folgendes: „Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Und doch findet in unserer Gesellschaft, im Alltag, in unserer Sprache dieses Gesetz nicht statt.

Wir werden nicht von einem Tag auf den anderen eine inklusive Gesellschaft und Sprache entwickeln, die frei von Diskriminierung ist. Das Bewusstmachen, dass die Ideale, die wir uns als Demokratie gesetzt haben, in unserer Gesellschaft, im Alltag, in unserer Sprache nicht stattfinden, ist ein großer Schritt. Ein notwendiger Schritt, um aktiv zu werden und zu überlegen, wie wir unseren Werten entsprechend zu einer gerechteren Realität beitragen können.

Im Buch Sprache und Sein von Kübra Gümüşay sind so unglaublich viele Erkenntnisse und bereichernde Impulse, dass ich garnicht versuchen möchte es zusammen zu fassen, sondern lieber die Autorin zitiere:

„Dieses Buch versteht sich als ein Beitrag auf der Suche nach einer Sprache, in der wir alle als Menschen in unserer Komplexität gleichberechtigt existieren können, als ein Nachdenken auf dem Weg dahin, unsere Ideale einer besseren Gesellschaft zu verwirklichen. Es will Anreize geben, die Architektur und damit auch die Grenzen unseres Sprechens, Denkens, Fühlens und Lebens zu erkenne und an ihnen zu arbeiten.

Zu erkennen, dass diese Welt, wie sie ist, keine Gerechte ist – so komfortabel sie auch für manche sein mag. Sich Gedanken über einen tatsächlichen Wandel zu machen. Auch wenn es zwischendurch ungemütlich wird. Auch wenn es mehr Fragen als Antworten gibt.

Anreize, zu hoffen. Sich nicht an Unrecht gewöhnen. Anreize, sich der eigenen Perspektive und Begrenztheit bewusst zu werden. Und damit der Potenziale dieser Welt. Anreize, an der Gesellschaft mitzubauen, in der wir wirklich leben wollen. In der alle gleichberechtigt sprechen und sein können.“ Kübra Gümüşay

Das Buch gehört definitiv zu den 5 wichtigsten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Schreibe einen Kommentar