Leider besteht die fest verankerte Annahme in unserer Gesellschaft, dass es erstrebenswert ist „alles alleine zu schaffen“. Wenn das nicht der Fall ist, hat man sich nicht genug angestrengt oder ist zu schwach. Diese Lebensweise macht einsam, überfordert und frustriert.

Menschen wollen anderen Menschen helfen. Ich biete andauernd anderen meine Hilfe an, weil ich es als richtig erachte. Natürlich fühle ich mich auch gut dabei. Und trotzdem kostet es mich solche Überwindung selbst nach Hilfe zu fragen.

Eine weise Frau hat mich in dieser Hinsicht als egoistisch bezeichnet. Es sei egoistisch anderen nicht das gute Gefühl zu geben, gebraucht zu werden und tatsächlich geholfen zu haben. Seitdem versuche ich mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten und nach Hilfe zu fragen, wenn ich sie brauche.

Vor zwei Tagen habe ich mich getraut auf einer Plattform für Nachbarschaftshilfe nach Unterstützung bei der Kinderbetreuung zu fragen. Die erste Nachricht nach wenigen Minuten hat mir direkt meine Kompetenz als Mutter abgeschrieben. Was dann passierte war überwältigend. Eine Welle an Solidarität, persönlichen Nachrichten und Angeboten zur Unterstützung prasselte ein.

Ich bin froh, dass ich mich überwunden habe und mich verletzlich gezeigt habe. Es gibt so viele Menschen, die gerne helfen wollen und denen gönne ich dieses gut Gefühl. Ich selber werde meine Hilfe bei der nächsten Gelegenheit nämlich auch wieder anbieten.:-)