Lieber Weihnachtsmann,

dieses Jahr bin ich sehr unentschlossen, was ich von dir und der Inszenierung des Weihnachtsfests halten soll. Gerne möchte ich dir meine Zerrissenheit erklären. Warum sind die großen Stars in der Weihnachtszeit fast ausschließlich männlich und weiß? Allen voran du, der Weihnachtsmann.

Im Team der 9 Rentiere, ist nur eine Frau vertreten. Cupid natürlich. Ansonsten gibt es noch den Nikolaus, Nussknacker, Schneemänner, Lebkuchenmänner und kurz vorher Sankt Martin. Wir haben also ein ganz klares Überangebot an weißen, vorwiegend alten Weihnachtsfiguren. Allesamt Figuren, die für strahlende Kinderaugen sorgen.

Im echten Leben ist fast alles, was das Weihnachtsfest betrifft, im Aufgabenfeld der Frauen. Nimmt man die Produktion der ganzen Konsumgüter dazu, kümmern sich vor allem KEINE alten weißen Männer darum. Die strahlenden Kinderaugen sind also für eine Personengruppe bestimmt, die zum großen Teil rein gar nichts mit der tatsächlichen immensen Arbeit zu tun hat.

Noch verwerflicher ist, dass der Weihnachtsmann überall auf der Welt weiß ist. Wäre eine schwarze queere junge Weihnachtsperson mit Behinderung oder einfach ein Weihnachtseichhörnchen nicht genauso dafür geeignet, strahlende Kinderaugen zu hinterlassen, sobald es Geschenke gibt? Du als Weihnachtsmann hast eine Machtposition inne, in der du kulturellen, politischen und finanziellen Einfluss ausübst.

Deshalb frage ich dich Weihnachtsmann, wie blind du deinen eigenen Privilegien gegenüber stehst und ob du bereit bist, Platz zu machen? Betrachtest du den Wandel als Bedrohung oder überrascht du uns und teilst gerne, auch wenn das deine Vormachtsposition entthront?

Es ist an der Zeit, dass viele Weihnachtleute zusammen arbeiten. (Jupp, bei uns gibt es weder Feuerwehrmänner, noch Polizisten, sonder Feuerwehrleute und Polizeileute, Menschen halt, die von meinen Kindern bewundert werden.)

Meine Kinder sind noch klein. Ich weiß auch nicht genau, wie wir zukünftig die Weihnachtsfrage gestalten. Es wäre so viel bequemer, die alten Traditionen nicht infrage zu stellen, die man als Kind auch geliebt hat. ABER Fragen rund um Diskriminierung, Teilhabe und Gerechtigkeit sind nie bequem.

Ich würde mich sehr über eine Antwort von dir freuen.

Deine Nuria

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