Psst! Ich erzähle euch ein Geheimnis: Menschen, die in die Kategorie Mütter gepackt werden, sind Individuen und können genauso wie alle anderen Lebewesen auch krank werden. Das Immunsystem von Frauen wird durch die Geburt weder geboostert noch unangreifbar. Durch weniger und gestörten Schlaf,  Mehrfachbelastungen, zu hohe Ansprüche etc. geht es vielen Menschen mit Kindern körperlich und psychisch eher schlechter.

Die Annahme, dass Mütter nicht krank werden, ist tief in der Gesellschaft verankert und wird zu großen Teilen geglaubt. Der Druck, den diese Annahme auslöst, ist so groß, dass sogar Mütter selbst glauben, dass sie nicht krank werden können. Bestimmt kennt ein*e jede*r folgende Situation aus der Arbeitswelt. Man merkt seit Langem schon, dass es einem nicht gut geht, hat aber das Gefühl, dass es nicht möglich sei, krank zu werden. Und so schleppt man sich von Tag zu Tag bis zum Wochenende oder Urlaub und wird dann so richtig krank.

Als Mensch, der für andere Menschen sorgt, gibt es oftmals kein Wochenende oder Urlaub.

Meistens habe ich das Gefühl, dass es gar nicht möglich ist, krank zu werden. Dass ich es mir gar nicht erlauben kann, auszufallen.

Tatsächlich war ich immer stolz und habe mich stark gefühlt, wenn ich die Einzige in der Familie war, die nicht ausgenockt war und sich um alle kümmern konnte. Schön Kindern und Partner Bettruhe verordnen, aufmuntern und im Idealfall noch eine Hühnersuppe für alle kochen. Wow, so eine starke Frau! Eine richtige Powerfrau. Die kriegt alles hin. Die kann nichts erschüttern. Wie macht die das? Nicht auf die Signale des Körpers und der Seele zu hören, eigene Grenzen zu überschreiten, kein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse haben, funktioniert einige Zeit.

Wenn kleine Signale des Körpers ignoriert werden, wird er kreativer und findet definitiv einen Weg, einem zu zeigen, dass es reicht. Das genug ist. Anfang diesen Jahres hatte ich einen Zusammenbruch. Zwei Wochen konnte ich mich nicht bewegen. Jegliche Power war verpufft.

Anstatt Mütter zu glorifizieren, die nie krank werden, sollten wir über Umverteilung von Verantwortung und Aufgaben sprechen. Über mentale und körperliche Gesundheit. Wie Familien entlastet werden, anstatt die unkaputtbare Mutter zu feiern. Selbstfürsorge statt Selbstaufgabe.

Ich bin heute krank. Wer noch?

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