Eine wertschätzende Kommunikation ist die wichtigste Voraussetzung, um sich mit anderen Menschen zu connecten. Tatsächlich etwas über die Person zu erfahren, ihre persönliche Geschichte kennenzulernen. Und ab da wird es spannend. Vor Kurzem hatte ich ein wunderschönes Aha-Erlebnis.

Seit Wochen begegne ich im Arbeitskontext immer wieder einer tollen Person. Bei Netzwerkveranstaltungen tauschen wir uns über Gefühle rund um das Gründen, Verunsicherungen und Bedenken aus. Durch den sehr wertschätzenden, intensiven Austausch kommt es mir so vor, als würde ich die Person kennen, obwohl ich nichts über ihr Privatleben weiß. Beim letzten Fahrrad-Nach-Hause-Schieben nach einem Treffen habe ich ihr die erste private Frage gestellt. „Und du? Hast du eine*n Partner*in?“

„Ja, ich bin mit meinem*meiner Partner*in seit 5 Jahren verheiratet.“

Innerliches Schulterklopfen und Ermahnung gleichzeitig an mich. Warum auch immer bin ich davon ausgegangen, dass meine Bekanntschaft in einer heterosexuellen Beziehung oder Single ist. Warum? Wegen meiner Vorurteile.

Natürlich ist es nicht möglich, anderen Menschen ihre sexuelle Orientierung anzusehen. Zusätzlich ist es auch völlig unnötig. Die sexuelle Orientierung der tollen Person ist mir egal. Es ist eine kleine Zusatzinformation, die ich nun zu ihr habe. In meinem Kopf habe ich mich also erwischt gefühlt und das direkt als Lernmoment gespeichert. Gleichzeitig war ich stolz auf mich, dass ich mein Unconcious Bias nicht in unser Gespräch gebracht habe. So konnten wir ein normales, schönes Gespräch führen und uns ohne komische Gefühle weiter kennenlernen.

Schriftlich fühle ich mich mittlerweile sehr wohl mit dem Gendersternchen. Beim Sprechen gibt es noch einige Momente, in denen ich das Gendern vergesse oder mich beim Aussprechen erinnere und die weibliche Form ergänze.

Es ist schwierig, Gewohnheiten im Allgemeinen und auch in der Sprache zu ändern. Aber es lohnt sich. Das hat nichts mit Gender-Gaga zu tun, sondern mit dem Wunsch nach wertschätzender Kommunikation und der Anerkennung von Realitäten.

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