Vor Kurzem habe ich in einem Beitrag von „fremden Perspektiven als Bereicherung“ geschrieben. Eine Person, die ich sehr schätze, hat mich darauf hingewiesen, dass wenn überhaupt, die Rede von „vermeintlich fremden Perspektiven“ sein könne. Denn wer genau entscheidet und kategorisiert ob eine Perspektive fremd sei. Seitdem arbeitet es in mir und ich habe viel über den Hinweis nachgedacht.

Ich konnte gedankenlos von Fremdheit schreiben, weil meine Perspektive nie als fremd und ich nie als Fremde bezeichnet wurde. Meine Perspektive wird als unterschiedlich, anders, feministisch, idealistisch etc. bezeichnet, wenn sie sich von der Sichtweise meines Gegenübers unterscheidet. Aber nie als fremd.

Der größte Unterschied ist, dass ich im Allgemeinen keine Kategorisierung meiner Perspektive erfahre, bevor ich sie nicht geteilt habe. Sie ist nicht ohne dass mein Gegenüber sie gehört hat, irgendetwas.

Vermeintliche Fremdheit wird nach Äußerlichkeiten zugeschrieben, anstatt nach inhaltlichen Unterschieden, wie oft angenommen. Meine Eltern sind beide nicht in Deutschland geboren. Ihre Muttersprache war nicht deutsch. Trotzdem falle ich nicht in die Kategorie der Fremden. Weil ich weiß bin.

Die Perspektive von einer deutschen BIPoC wird oft als fremd kategorisiert, egal ob die Person in der deutschen Sprache zu Hause ist, sie hier geboren ist etc. Durch gelernte Stereotype wird vermeintlich fremd kategorisierten Menschen Religion, politische Einstellung, misogynes Verhalten etc. zugeordnet, ohne jeglichen Hinweis darauf. Wir begrenzen Menschen, indem wir sie als fremd bezeichnen und ihnen so ihre Individualität absprechen.

Menschen brauchen Kategorien, um sich in der komplexen Welt zurechtzufinden. Und da wird es kompliziert. Jedoch ist es wichtig beim Kategorisieren sich immer wieder der eigenen Privilegien und der Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung bewusst zu sein. Desto bewusster ich dessen bin, desto offener bin ich zu lernen und zu verstehen. Sobald ich verstehe, bin ich in der Verantwortung, meine Worte zu überdenken und anzupassen.

Vielen Dank für den wichtigen Hinweis an die Person, die ich sehr schätze.

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