Vor Kurzem war ich auf einer Netzwerkveranstaltung und habe eine Person kennengelernt, die wissen wollte, was ich vorhabe. Ich erzählte, dass ich zukünftig gerne Unternehmen sensibilisieren und unterstützen möchte, ihren Online-Auftritt divers, diskriminierungsfrei und nachhaltig zu gestalten. Daraufhin passierte das, was fast immer passiert: Es wurde der Fokus auf das heiß diskutierte Thema gendersensible Sprache gelegt.

Als Beispiel wurde genannt, dass im Herkunftsland des Gegenübers jetzt vollkommen übertrieben wird und bei Stellenausschreibungen für Elektriker*innen auf einmal nicht nach Elektrikern, sondern nach Elektrikerinnen gesucht werde. (Ich bezweifle sehr, dass ihm das mehr als einmal begegnet ist, aber gut). Die Argumentation war, dass doch über 80 % der Elektriker*innen männlich sei (Ich würde mich nicht wundern, wenn es eher 90+% sind) und man müsse sich schon angucken in welchen Bereichen man welches Geschlecht anspricht.

„Let´s not go crazy.“

Erschwerend war, dass das Gespräch auf Englisch war und ich seit Kurzem erst anfange, auf Deutsch darüber zu debattieren. Mir fehlten ganz einfach die Worte, die ich für meine Argumente gebraucht hätte. Bis heute bin ich unzufrieden mit dem Gesprächsausgang.

Und deshalb nutze ich hier die Bühne, um mir meine perfekte Antwort von der Seele zu schreiben.:-)

  1. Es gibt keine männlichen und weiblichen Bereiche. Um als Elektriker*in zu arbeiten, braucht man ein Gehirn und Hände. Alles Weitere lernt man oder hat Hilfsgegenstände, um den Beruf auszuführen. Ein Penis ist meines Wissens zur Ausübung des Berufs nicht erforderlich.
  2. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt hast du auch mal erfahren, wie es ist, nicht direkt angesprochen zu werden. Wie hat sich das angefühlt?
  3. Der nächste Schritt als privilegierte Person wäre dein Gefühl, das du beim Ausgeschlossen-Werden hattest, auf über 50 % der Menschheit zu übertragen. Für sie ist es kein Einzelfall, nicht angesprochen zu werden, sondern Realität.
  4. Ich finde es auch nicht richtig, Männer auszuschließen. Wie du gemerkt hast, ist es insgesamt nicht richtig, Menschen auszuschließen.
  5. Wenn du das verstanden hast, können wir uns das nächste Mal darüber unterhalten, warum es so wenige Elektrikerinnen gibt.

ALSO: Let´s not go crazy!

Crazy ist es, Ungerechtigkeit wahrzunehmen, aber aus Unbequemlichkeit nicht zu ändern. Es ist an der Zeit, alte Strukturen zu hinterfragen und anzupassen, um mit unserer Sprache niemanden auszuschließen, zu bevorzugen oder zu diskriminieren. Wem die Möglichkeiten, die es bereits für gendersensible Sprache gibt, nicht gefallen, kann Neue erarbeiten. Bei meinem nächsten “Gespräch“ zu gendersensibler Sprache bin ich hoffentlich wieder ein kleines Stück schlagfertiger.

Schreibe einen Kommentar